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Schweinemarkt: Deutsche Kritik an Schlachtkonzerne

Foto: agrarfoto.com

"Machenschaften anstatt Gesetzmäßigkeiten des Marktes " haben nach Ansicht des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) dazu geführt, dass der deutsche Vereinigungspreis für Schweine am vergangenen Freitag überraschend um 9 Cent auf EUR 1,63 je kg gesunken ist. Dieses Abrutschen sei angesichts der laufenden Grillsaison bei gutem Wetter in weiten Teilen Deutschlands und der Fußball-Europameisterschaft mit normalen Marktbewegungen nicht zu erklären, kritisiert der Verband.

Stattdessen verweist der BBV darauf, dass die Schlachtunternehmen bereits in der vorigen Woche erneut fast durchgängig niedrigere "Hauspreise " gezahlt hätten. Dadurch sei der Vereinigungspreis der Vorwoche massiv unterlaufen worden, kritisierte die Präsidentenkonferenz des BBV. Wie berichtet, hat der Preisrutsch in der BRD auch die Notierungen in Nachbarländern wie Österreich nach unten gezogen, hierzulande ist der Mastschweinepreis der Schweinebörse diese Woche um 6 Cent gesunken.

Der BBV übt jetzt erneut deutliche Kritik an den Hauspreisen der Schlachtwirtschaft. Wenn von den fünf größten Schlachtunternehmen in Deutschland zeitgleich dieselben Hauspreise genannt würden, stelle sich die Frage, ob das Zufall sein kann, erklärte BBV-Präsident Walter Heidl laut Dow Jones News. Angesichts der erheblichen Konzentration in der Schlachtwirtschaft forderte die BBV-Präsidentenkonferenz das Bundeskartellamt auf, diese Zusammenhänge zu überprüfen.

Top 10-Betriebe schlachten 75% der Schweine Der deutsche Schlachtschweinemarkt ist weiterhin stark konzentriert, denn die größten zehn Betriebe schlachten nahezu konstant 75% der Schweine. "Die wahre Konzentration der Branche zeigt sich, wenn man hinter die Zahlen schaut. Allein die Top 4 weisen einen Marktanteil von über 60% auf. Die folgenden sechs Unternehmen decken 15% des Marktes ab ", gibt die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) zu bedenken. In den letzten Jahren kannten die Verarbeitungsbetriebe nur einen Weg: die Schlachtkapazitäten weiter steigern. Nun scheint eine Phase der Konsolidierung zu beginnen, gleichzeitig wollen manche Betriebe weitere Wachstumsschritte umsetzen.

Tönnies: Wachstumsmarkt China im Blick Absoluter Branchenprimus in Deutschland bleibt das Unternehmen Tönnies, das im vergangenen Jahr laut ISN-Berechnungen etwa 15,4 Mio. Schweine geschlachtet hat. Das mit Abstand größte Unternehmen verfügt über einen Marktanteil von 26% und befand sich damit auch im Jahr 2011 mit einer Steigerung der Schlachtzahlen um über 1,2 Mio. Schweine weiter auf Expansionskurs. Den Exportanteil hält Tönnies seit einigen Jahren bei über 50%. Die Bedeutung der ausländischen Märkte für dieses Unternehmen ist kontinuierlich hoch. Traditionell ist Tönnies im Russlandgeschäft besonders stark, aber auch die asiatischen Märkte rücken zunehmend in den Fokus. So kündigte Tönnies beispielsweise an, in Zerlegebetriebe in China investieren zu wollen.

VION und Westfleisch mit eigenen Tierwohl-Marken Das zweitgrößte Unternehmen, VION, büßte 2011 deutlich Marktanteile ein und kommt auf etwa 17%. Nach Schätzungen der ISN hat VION im vergangenen Jahr weniger als 10 Mio. Schweine geschlachtet. Zukünftig will man sich verstärkt auf die Heimatmärkte konzentrieren, anstatt über den Export weiter zu wachsen. VION versucht, sich dementsprechend neue Marktsegmente zu erschließen: Gemeinsam mit dem Tierschutzbund wird ein Tierwohl-Markenzeichen entwickelt, das dem Käufer dieses Fleisches höhere Standards in der Tierhaltung garantieren soll.

Westfleisch, Nummer 3 im Ranking, konnte 2011 seine Schlachtzahlen weiter steigern und verfügte damit über einen Marktanteil von 12%. Das Wachstum auf 7,16 Mio. Schlachtschweine war im Wesentlichen durch eine Zunahme der Ausfuhrraten möglich. Der Exportanteil liegt, ähnlich wie bei Tönnies, bei etwa 50%. Besonders starke Wachstumsmärkte waren im vergangenen Jahr die asiatischen Länder wie Hongkong, China und Südkorea. Auch Westfleisch erschloss sich 2011 mit dem Label "Aktion Tierwohl " ein neues Marktsegment. Diese Labelprodukte dürften überwiegend für die ausländischen Märkte produziert werden.

Zu Beginn des Jahres 2011 übernahm der dänische Konzern Danish Crown das Unternehmen D &S Fleisch. Die Anzahl der Schlachtungen konnte nach dem Besitzerwechsel nicht gehalten werden. Im vergangenen Jahr wurden etwa 3,3 Mio. Schweine geschlachtet, damit rangiert Danish Crown an vierter Stelle bei den führenden Schlachtunternehmen und weist einen Marktanteil von 5,5% auf. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr von der deutschen Schlachtbranche fast 60 Mio. Schweine verarbeitet. Das waren um 20 Mio. Tiere mehr als noch vor 13 Jahren.

Schweinemäster wollen wachsam bleiben Die Schweinemäster-Vertretung ISN will angesichts dieser hohen Konzentration wachsam bleiben und den Markt weiterhin genau beobachten - vor allem dann, wenn die Schlachtbranche von notwendigen Kostenreduktionen spricht oder weitere Übernahmeversuche gestartet werden. Das ohnehin schon ungleiche Kräfteverhältnis zwischen roter und grüner Seite dürfe nicht noch weiter aus dem Gleichgewicht gebracht werden, warnt die ISN. Laut Marktexperten war das Wachstum der Schlachtbranche vor allem durch den Siegeszug der Diskonter in Deutschland beeinflusst. Mittlerweile nimmt SB-Ware einen Marktanteil von 70% aller verkauften Fleisch- und Wurstwaren ein, im Jahr 2000 waren es nur 43%.

Quelle: aiz

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