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Politische Eingriffe verunsichern Getreidemärkte

Foto: agrarfoto.com

Auch politische Eingriffe von Staaten verunsichern die Märkte: Sei es, dass Markteingriffe von Regierungen wie in Argentinien die Farmer aus der Weizenproduktion drängen und immer wieder provozierte Streiks der Hafenarbeiter die Handelsströme verzögern, oder seien es unverdeckt offene Versuche der Restauration planwirtschaftlicher Verhältnisse wie in der Ukraine.

 So berichtet agrarzeitung.de, die Regierung in Kiew plane ein neues Agrarprogramm, das unabhängige Politikbeobachter von einer Rückkehr zur zentralen Planwirtschaft nach Sowjetmuster sprechen lasse. Das ukrainische Landwirtschaftsministerium habe demnach kürzlich einen Entwurf für die Ausrichtung der künftigen Agrarpolitik des Landes veröffentlicht. Das deutsch-ukrainische Institut für ökonomische Forschung und Politikberatung (IER) in Kiew warne nun davor, die Vorschläge in der jetzigen Form umzusetzen. Die im Programm formulierten Leitlinien wie Ernährungssicherheit, Exportorientierung und Ressourcenschutz seien zw ar generell zu begrüßen. Das IER kritisiert jedoch zahlreiche Details. So strebe das Ministerium statt eines Beitrages der ukrainischen Landwirtschaft zur Ernährungssicherheit die Selbstversorgung der Ukraine an. Damit könnte das Land jedoch weder vom internationalen Handel noch von einer Spezialisierung profitieren, betonen die Politikexperten des IER. Außerdem vermissen sie im geplanten Agrarprogramm ein klares Bekenntnis zur Erhöhung der Produktivität.

Stattdessen beruht der vorliegende Entwurf auf Fünfjahresplänen, die für jede Region detailliert die Fruchtfolge oder den Umfang der Tierhaltung vorschreiben. Damit würden Strukturen über fünf Jahre konserviert. Schließlich enthält der Plan eine Preisregulierung mit Mindest- und Höchstpreisen. Entwickeln sich die Agrarpreise außerhalb dieses Bandes, sollen Instrumente wie Intervention oder Import- und Exportquoten eingreifen. Als "Rückfall in die zentrale Planwirtschaft der Sowjetära " kritisieren dies die Politikexperten des IER. Sie weisen außerdem darauf hin, dass insbesondere Preisregulierung und Quoten nicht mit den Regeln der Welthandelsorganisation WTO kompatibel seien, der die Ukraine 2008 beigetreten ist.

Eingriff Kiews in Ölsaatenmarkt - 2012 dennoch kein Produktionsanstieg erwartet Konkret wird in der Ukraine auch ein Eingriff in den Ölsaatenmarkt befürchtet, nachdem das Land eine Rekord-Sonnenblumenfläche erwartet. Marktbeobachter sehen die Gefahr, dass Kiew die Ölsaatenproduktion regulieren wird. Premierminister Viktor Janukowitsch habe das Agrarministerium angewiesen, den Anbau von Ölsaaten zu kontrollieren, teilte IER mit. Nach den massiven Auswinterungen soll die Fläche mit Sonnenblumensaat in der Ukraine heuer das Rekordniveau von 5,4 bis 5,6 Mio. ha erreichen, nach 4,7 Mio. ha 2011. In einigen Regionen im Südosten des Landes stehe Sonnenblumensaat auf mehr als der Hälfte der Fläche. Für die Regierung sei damit der gesunde Anteil der Ölsaat an den Fruchtfolgen überschritten.

Dennoch rechnet die Ukraine heuer nur mit einer Ölfruchternte von insgesamt rund 13 Mio. t, da ja neben der Ausweitung der Sonnenblumenfläche im Winter viel Rapsfläche verloren ging. Laut einer Prognose des nationalen Analysen- und Beratungsunternehmens UkrAgroConsult ist damit kein Produktionszuwachs gegenüber dem vergangenen Jahr zu erwarten, auch wenn sich eine Ausweitung der Anbaufläche um 7,3% auf rund 8,2 Mio. ha abzeichnet. Zunehmen soll 2012 lediglich der Ertrag der wichtigsten Ölpflanze, Sonnenblume. In der vergangenen Saison hat sich schon deren Ernte um 28,0% im Vergleich zu 2010 auf eine Rekordhöhe von fast 8,7 Mio. t vergrößert.

Österreichs Kassamarkt tickt anders - 2012 deutlich weniger Weizen erwartet Das Geschehen am österreichischen Getreidemarkt hielt sich in der abgelaufenen Woche in Grenzen, nicht zuletzt, da auch zahlreiche Marktteilnehmer nicht ihren Geschäften nachgegangen seien. Die Börse für Landwirtschaftliche Produkte in Wien strich bei ihrer Notierungssitzung am Mittwoch voriger Woche die Notierung von Mahlweizen vom Kursblatt. Laut Marktteilnehmern sei dies ein starkes Indiz dafür, dass der Mahlweizen der Ernte 2011 tatsächlich praktisch schon durchgehandelt sei. Händler verweisen darauf, dass der Mahlweizen trotz seines ungewöhnlich hohen Anteils am rekordverdächtigen Weichweizenertrag 2001 von knapp 1,7 Mio. t ohne Hektik und Preisdruck wie im vergleichbaren Erntejahr 2004 habe vermarktet werden können. Da den Verarbeitern daher praktisch nur mehr Qualitätsweizen übrig bleibt, zog dieser als letzter noch am Wiener Kursblatt verbliebene Brotweizentyp vorige Woche noch ein weiteres Mal auf EUR 215,- pro t an.

Im benachbarten Deutschland hält auch nach wie vor die Situation an, dass die starke Nachfrage nach Futterweizen die Preise alter Ernte stützt und Brotweizen für die Verfütterung teurer gehandelt wird als für die Vermahlung.

Sehr hoch - aber von Marktteilnehmern als realistischer Preis bezeichnet - notierte diesmal in Wien auch wieder Futtergerste mit EUR 221,- pro t, was praktisch einer üblichen Preisdifferenz vom Qualitäts- zum Mahlweizen entspricht.

Für die kommende Ernte 2012 scheinen sich solch hohe Erträge nicht wiederholen zu lassen. Pflanzenbauer rechnen wegen der anhaltenden Trockenheit im Osten des Bundesgebietes und der Auswinterungsschäden deshalb im Sommer regional mit einem Drittel bis zur Hälfte weniger Weizen als im Vorjahr.

Russland: Verpfändbare Lagerscheine für Getreide geplant In Russland soll demnächst ein System verpfändbarer Lagerscheine für Getreide eingeführt werden. Als Voraussetzung dafür sieht das Landwirtschaftsministerium vor, Getreidelager allgemeiner Nutzung ins Leben zu rufen. Ein entsprechender Gesetzesentwurf ist kürzlich anderen Ministerien zur Abstimmung vorgelegt worden, berichtet der Moskauer Informationsdienst RosBusinessConsulting unter Berufung auf einen Ressortsprecher. Die Russische Getreideunion fordert seit Langem die Möglichkeit, Kredite gegen Lagerscheine vorzusehen. Der zufolge zählt Liquiditätsmangel derzeit zu den größten Problemen der russischen Getreideproduzenten.

Quelle: aiz

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