Österreichs Landwirtschaft in Novi Sad
Ein Stück gemeinsamer Geschichte und neue Seiten der aktuellen landwirtschaftlichen Entwicklung präsentierte Oberösterreichs Agrarlandesrat Max Hiegelsberger bei einer Exkursion in die künftigen EU-Mitgliedsländer Kroatien und Serbien. Anlass dafür war die Eröffnung der Agrarmesse in Novi Sad.
Österreich ist heuer mit seiner zwölften Beteiligung besonderes Partnerland dieser bedeutendsten Fach- und Publikumsmesse in Südosteuropa. Unter den 1.500 Anbietern präsentieren sich zwölf Aussteller an einem Gemeinschaftsstand der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und sechs weitere Unternehmen - allen voran Case-Steyr, Pöttinger und Schauer sowie die Rinderzüchter der ZAR - zusätzlich mit eigenen großen Ständen.
Österreichs Landwirtschaft hat gute Verbindungen zu Kroatien Zu Kroatien (56.542 km2, 4,43 Mio. Einwohner) hat Österreich traditionell sehr gute Verbindungen. Die Alpenrepublik hat sich auch sehr intensiv für den EU-Beitritt des Fast-Nachbarn eingesetzt und ist dort konsequenterweise größter Investor vor den Niederlanden, Deutschland und Ungarn. Für rund 750 österreichische Firmen gilt Kroatien als erweiterter Heimmarkt. Nach derzeitigem Stand soll Kroatien im Juli 2013 der EU beitreten. Die heimischen Exporte nach Kroatien nahmen 2011 um 0,3% auf EUR 1,13 Mrd., die Importe von dort um 20,3% auf EUR 630 Mio. zu; der Handelsbilanzüberschuss daraus zählt zu den vergleichsweise größten Österreichs.
Die Agrarstruktur Kroatiens steht vor einer großen Veränderung, denn derzeit werden 450.000 Betriebe mit durchschnittlich 2,4 ha gezählt. Nur rund 100.000 Betriebe erzeugen mehr als den Eigenverbrauch und geschätzte 40.000 dürften nach dem EU-Beitritt weiter bestehen, denn schon jetzt erbringen die großen Betriebe 80% der Eigenversorgung. Von knapp 900.000 ha Ackerfläche entfallen 583.000 auf Getreide, gefolgt von 305.000 ha Mais, 59.000 ha Sojabohne, 30.000 ha Sonnenblumen und 22.000 ha Zuckerrübe. Knapp 210.000 Kühe und 216.000 Mastrinder sowie 1,23 Mio. Schweine bilden den Hauptteil der Tierproduktion.
Wichtiger Partner in der Rinderzucht Ein Zehntel der importierten Zucht- und Mastrinder kommt aus Österreich. Leider ist die allgemeine Wirtschaftslage Kroatiens derzeit sehr gedämpft: Nach zwei Rezessionsjahren ist auch 2011 eine Stagnation zu erwarten, 2013 wird wieder mit einem leichten Wachstum gerechnet. Die Arbeitslosenquote wird heuer mit 20 und im kommenden Jahr sogar mit 23% prognostiziert.
Kleinste Strukturen prägen Landwirtschaft in Serbien Serbien (88.361 km2, 7,12 Mio. Einwohner) erholt sich von den politischen und kriegerischen Ereignissen der letzten Jahrzehnte offensichtlich sehr zufriedenstellend. Trotz niedriger Löhne herrschen optimistische Stimmung und eine beachtliche Konsumbereitschaft, besonders unter den jungen Menschen. Die Arbeitslosigkeit ist mit 23% aber ebenfalls sehr hoch. Serbien ist Mitglied der Schwarzmeer-Wirtschaftskooperation sowie des Mitteleuropäischen Freihandelsabkommens und hat seit März 2012 den Status eines EU-Beitrittskandidaten.
Die österreichischen Exporte nach Serbien stiegen 2011 um 13,3% auf EUR 547 Mio., die Importe nahmen auf EUR 310 Mio. zu (+11,3%). Die Alpenrepublik ist auch in Serbien mit EUR 2,8 Mrd. und 400 vertretenen Firmen größter ausländischer Investor.
In der serbischen Landwirtschaft herrschen Kleinstrukturen - von 780.000 Betrieben haben 140.000 nur ein bis zwei Hektar. Auf der anderen Seite bewirtschaften wenige Kombinate 800.000 ha Ackerland in besten Lagen der nördlichen Provinz Vojvodina. Von 5,12 Mio. ha landwirtschaftlicher Nutzfläche entfallen 65% auf Acker; auf 1,2 Mio. ha wächst Mais, auf 490.000 ha Weizen, auf 300.000 ha Kartoffel und Gemüse, auf 170.000 ha Sonnenblume, dazu kommen 168.000 ha Soja, 120.000 ha Gerste und 53.000 ha Zuckerrübe. In der Tierproduktion sind 937.000 Rinder, 3,3 Mio. Schweine und 19 Mio. Stück Geflügel die wichtigsten Kennzahlen. Ein Viertel der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft; 55% der Menschen leben im ländlichen Raum.
Rege Zusammenarbeit in der Rinderzucht In der Landwirtschaft gibt es auch mit Österreich eine rege Zusammenarbeit, besonders in der Rinderzucht, wie Anton Wagner als Obmann der Zentralen Arbeitsgemeinschaft der Rinderzüchter (ZAR) auch mit Fakten belegte. Die Alpenrepublik exportierte im Vorjahr 34.700 Zuchtrinder (+56%) und gilt mit einer Exportquote von 9% anteilsmäßig als Export-Europameister in diesem Sektor. Herausragender Abnehmer ist derzeit die Türkei. Der hohe Leistungs- und veterinärmedizinische Standard des österreichischen Zuchtviehs ist dafür ausschlaggebend. Nach Kroatien exportierte unser Land in den vergangenen zehn Jahren knapp 12.000 Zuchtrinder, darunter an einen Musterbetrieb des Lebensmittelkonzerns Agrokor in der Nähe von Vukovar, der vorwiegend aus österreichischen Versteigerungskalbinnen einen Bestand von 600 Milchkühen aufgebaut hat. Nach Serbien wurden im gleichen Zeitraum 5.030 Zuchtrinder, davon 97% Fleckvieh, geliefert, und das Interesse ist aufgrund des verlässlichen Angebots weiter g roß.
Donau-Sojabohne als Marke vor dem Start Sojaschrot ist das begehrteste Eiweißfuttermittel in Europa. Es muss derzeit aber weit überwiegend aus den USA, aus Brasilien und Argentinien, den weltgrößten Produktionsländern, importiert werden - zunehmend als GVO-Ware, die aber Bauern und Konsumenten ablehnen. Das soll sich jetzt ändern. Sehr stark von Oberösterreich ausgehend, wird der Sojaanbau in GVO-freier Qualität jetzt beworben. Gentechnikfreie Ware wird bereits seit mehr als einem Jahrzehnt vom oö. Handelshaus Pilstl erfolgreich importiert und unter anderem auch in Kroatien und Serbien vertrieben.
Der Idee, GVO-freies Soja verstärkt in Europa zu produzieren, soll die Marke "Donau-Soja " kräftig Vorschub leisten, unterstreicht Landesrat Hiegelsberger, der im bayerischen Staatsminister Helmut Brunner bereits einen eifrigen Begleiter hat. Wegen der passenden Anbaulagen und der Möglichkeit des Schiffstransportes wird dem Donauraum eine kräftige Erweiterung der Sojaflächen zugeordnet. Die Sojaernte soll sowohl für die direkte Lebensmittelproduktion sowie auch als Eiweißfutter genutzt werden, berichteten Matthias Krön und Franz Enengel vom Verein "Soja aus Österreich ". Hierzulande werden derzeit 37.000 ha mit dieser Kultur bebaut. Den natürlichen Voraussetzungen entsprechend wird die Kapazität auf rund 50.000 ha geschätzt. Mit der Donauraum-Strategie könnte die Anbaufläche auf bis zu 2,6 Mio. ha in Europa erweitert und insbesonders die bereits begonnene Züchtung spezifischer Sojasorten verstärkt und gesichert werden.
Quelle: aiz





















