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Minister „spart“ bei kritischer Wissenschaft

"Wissenschaft rund um Bergbauernthemen birgt gerade in Österreich kein Sparpotential", sagt die ÖBV-Via Camesina; Foto: Archiv

Um Sparwillen zu dokumentieren, hat Landwirtschaftsminister Berlakovich ein zukunftsfähiges Strukturprogramm angekündigt. Diesem soll etwa die Bundesanstalt für Bergbauernfragen wieder einmal zum Opfer fallen, kritisiert die Österreichische Bergbauernvereinigung. Personalvertreter unterstellen dem Minister indes, „politisches Kleingeld“ wechseln zu wollen statt echte Sparvorhaben umzusetzen.

Um ebenfalls (s)ein Schärflein zur Budgetsanierung beizutragen, will Berlakovich auch  Bundesanstalten zusammenlegen. Betroffen davon: die Bereich Bergbauernfragen, Agrarwirtschaft und Milchwirtschaft. „Aus ökonomischer wie auch aus fachlicher Hinsicht macht eine derartige Zusammenlegung keinen Sinn“, entgegnet nun Irmi Salzer von der ÖBV-Via Campesina Austria. „Die Bundesanstalt für alpenländische Milchwirtschaft etwa befindet sich in Rotholz in Tirol und stellt mikrobiologische Spezialkulturen und Beratung für die österreichische Milchwirtschaft bereit, während die beiden anderen Bundesanstalten ihren Sitz  in Wien haben und agrarökonomische Forschung mit jeweils unterschiedlicher Schwerpunktsetzung betreiben.“ 

Das Institut für Bergbauernfragen, in ganz Europa renommiert, beschäftigt sich aus sozioökonomischer Sicht mit Bauernfragen in Berggebieten und benachteiligten Regionen. Salzer: „Angesichts der Tatsache, dass 71 Prozent der österreichischen Fläche im Berggebiet sowie 81 Prozent insgesamt im benachteiligten Gebiet liegen, ist es unverständlich, dass Minister Berlakovich die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Berglandwirtschaft als „Sparpotential“ definiert.“ Eine Zusammenlegung mit der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft, kurz AWI, würde das eigenständige Profil der Bundesanstalt für Bergbauern, kurz BABf unterminieren und dadurch zu unabsehbaren Qualitätseinbußen der Forschung führen. In der ÖBV-Via Campesina Austria vermutet man viel mehr: „Berlakovich’s Angriff auf die Eigenständigkeit der Bundesanstalt für Bergbauernfragen dürfte der wiederholte Versuch sein, unliebsame kritische Wissenschaft einzuschränken. Die in Fachkreisen geschätzten Publikationen der Bundesanstalt sind nämlich keine dem Ministerium verpflichteten Gefälligkeitsgutachten, sondern weisen auch auf die Schattenseiten der österreichischen Agrarpolitik hin.“

Dass kritische Forschung im „Lebensministerium“ als Ärgernis gelten dürfte, erkläre auch die Beständigkeit, mit der versucht wird, die Bundesanstalt für Bergbauernfragen einzuschränken oder gar aufzulösen.  Bereits im November 2010 wurde die Zusammenlegung von BABF und AWI betrieben, letztlich jedoch erfolglos. Zudem sei Berlakovich nicht der Erste: „Auch seine Vorgänger haben die Zerschlagung der Bundesanstalt für Bergbauernfragen wiederholt versucht.“

Jegliche geplante Einschränkung der Eigenständigkeit der BABf wird von der ÖBV-Via Campesina vehement abgelehnt. Dessen Studien, Datenauswertungen und Hintergrundanalysen seien für die Beschäftigung mit der Berglandwirtschaft unverzichtbar. Irmi Salzer: „Zudem kritisieren wir auf das heftigste, dass die Mitarbeiter der von den Umstrukturierungsplänen betroffenen Institute davon aus den Medien erfahren mussten.“ Dass die Zusammenlegung dreier Institute den Sparwillen des Ministers belegen soll, zeuge zudem „von der Mut- und Fantasielosigkeit der österreichischen Agrarpolitik.“

Auch von der Personalvertretung der betroffenen Anstalt hagelt es Kritik. Josef Hoppichler
Mitglied des Zentralausschusses Land, Forst und Wasserwirtschaft: “Alle drei Anstalten haben zusammen gerade mal ein Budget von 5,5 Mio. Euro, sind dafür aber „flexibilisiert“, müssen sich also zur Finanzierung ihres Betriebes selbst um Drittmittel kümmern.” Alle drei tun das mit Erfolg, so Hovorka: „Es gibt ökonomisch keine erfolgreicheren Dienststellen des Landwirtschaftsministeriums als die flexibilisierten Bundesanstalten. Die erhoffte Sparsumme dieser Maßnahmen von Berlakovich kann nur lächerlich niedrig sein. Mehr kann man aus den Mitarbeiteitern in Forschung und Wissenschaft nicht mehr herauspressen.” Das gelte aber auch für alle anderen Dienststellen des BMLFUW, so der Personalvertreter.

B. W.

 

 

 

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