BRD: Knapp unterdurchschnittlicher Getreideernte?
Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) erwartet heuer eine Ernte von 44,2 Mio. t Getreide und etwa 5 Mio. t Raps. Die aktuelle DRV-Schätzung liegt bei Getreide um 5% über dem Vorjahresergebnis, aber weiterhin knapp unter dem Fünfjahresdurchschnitt.
Ausschlaggebend für dieses Ergebnis sind die extreme Frostperiode im Februar mit zum Teil erheblichen Auswinterungsschäden sowie die teilweise geringe Wasserversorgung im Frühjahr.
Nach den aktuellen Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes von Ende Juli 2012 wurde die Getreideanbaufläche im Vergleich zum Vorjahr um knapp 10.000 ha oder 0,1% leicht ausgedehnt. Die diesjährige Getreideernte von 44,2 Mio. t übertrifft laut DRV das Vorjahresergebnis um 5,4%. Beim Weizen wird eine Erntemenge von insgesamt 22,3 Mio. t erwartet. Bei der Gerste schätzt der Verband die Menge auf 10,2 Mio. t.
Hohe Rapserträge Der Winterraps hat trotz der teilweise widrigen Witterungsbedingungen in der vergangenen Vegetationsperiode positiv überrascht. Der DRV schätzt den bundesweiten Durchschnittsertrag auf 38,7 dt/ha. Im Vergleich zum Vorjahr sind dies 32% mehr. Bei einer Anbaufläche von 1,3 Mio. ha erwartet der Verband eine Gesamtmenge von gut 5 Mio. t. Damit würde das Vorjahresergebnis von 3,8 Mio. t um mehr als 31% übertroffen.
Die Wintergerste- und Rapsernte ist mittlerweile beendet. In Süd- und Westdeutschland ist auch der Weizen zum überwiegenden Teil eingebracht, während in Nord- und Nordostdeutschland die Bestände noch zu einem hohen Prozentsatz auf dem Halm stehen. Die Qualitäten fallen, bezogen auf das gesamte Bundesgebiet, im Regelfall durchschnittlich bis gut aus. In verschiedenen Regionen zeichnet sich aber gerade beim Weizen eine Tendenz zu niedrigeren Proteinwerten ab. Eine aktualisierte Erntemeldung wird der Deutsche Bauernverband voraussichtlich am 22.08. vorlegen.
Deutsche Mühlen erwarten gute Qualität und knappe Mengen Der Verband Deutscher Mühlen (VDM) rechnet mit einer Brotgetreideernte von 25,9 Mio. t, bestehend aus 22,5 Mio. t Weizen und 3,4 Mio. t Roggen. "Damit würde etwas mehr Weizen und Roggen geerntet als in der schlechten letztjährigen Ernte. Zum Durchschnitt der letzten fünf Jahre fehlen aber weiter mindestens 1 Mio. t Weizen und Roggen in der deutschen Brotgetreidebilanz ", stellte VDM-Vorsitzender Hans-Christoph Erling gestern bei der Jahrespressekonferenz in Berlin fest.
Die deutschen Mühlen erwarten heuer weitgehend ordentliche Brotgetreidequalitäten, der Mahlweizen aus neuer Ernte weist bei den meisten Inhaltsstoffen sortentypische Werte auf, die auf gute Backeigenschaften schließen lassen. In den Regionen, wo die Fröste die Getreidebestände stark geschwächt haben, fallen die Qualitäten aber zum Teil deutlich ab, sodass die Mühlen hier großen Aufwand betreiben müssen, um geeignetes Mahlgetreide einkaufen zu können.
Höhere Rohstoffkosten weitergeben Die angespannte Lage auf den internationalen Märkten bestimme auch die Situation auf dem deutschen Markt, erklärte Erling. Die Getreidepreise in der BRD liegen laut VDM auf Rekordniveau: "EUR 250,- je t notieren die deutschen Produktenbörsen derzeit im Schnitt für einfachen Mahlweizen. Für Qualitätsweizen werden bis zu EUR 285,- bezahlt ", stellte Erling fest: Damit sei Brotgetreide heute um rund 25 bis 35% teurer als vor zwölf Monaten. Ob die hohen Getreidepreise auch Preiserhöhungen bei Brot und Semmeln nach sich ziehen, hätten die Bäcker zu kalkulieren. Klar sei aber, dass die Mühlen solche Kostensprünge unmöglich auffangen könnten. Generell müssten gestiegene Einstandskosten in dieser Höhe in die betriebliche Kalkulation der Verkaufspreise einfließen, betonte der VDM-Vorsitzende.
Bilanz des Wirtschaftsjahres 2011/12: Weniger Mehl und weniger Brot 550 deutsche Mühlen vermahlen Jahr für Jahr rund 8 Mio. t Weizen und Roggen. Im gerade abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2011/12 (Juli bis Juni) haben die Mühlen 5,54 Mio. t Weizenmehl und 745.000 t Roggenmehl hergestellt. Bei insgesamt 6,28 Mio. t an Mahlerzeugnissen aus Brotgetreide bedeutet das einen Rückgang von 2,5% gegenüber dem Vorjahr. 2010/11 konnten die Mühlen mit 6,44 Mio. t allerdings auch einen absoluten Mahlrekord verzeichnen. Außerdem wurden 1,4 Mio. t Kleie und Futtermehle produziert. Anders als im Wirtschaftsjahr zuvor hat es 2011/12 keine Nachfrageimpulse für Mehl und Mahlerzeugnisse aus dem Brot- und Backwarenmarkt gegeben. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch der Deutschen liegt aktuell bei 82,9 kg. Nach einem Zwischenhoch von 84,9 kg im Vorjahreszeitraum wurde damit das langjährige Mittel wieder erreicht. Mit rund 6.000 Beschäftigten erwirtschaften die Mühlen einen Jahresumsatz von knapp EUR 2,5 Mrd.
Quelle: aiz





















