Agrarstruktur: Größere, aber weniger Betriebe
Der allgemeine Trend hin zu größeren landwirtschaftlichen Betrieben setzt sich in Österreich fort. Wie die Ergebnisse der Agrarstrukturerhebung zum Stichtag 31.10.2010 ergeben haben, ist die Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe seit 1999 um 20% auf 173.317 gesunken. Das teilte die Statistik Austria mit.
Während Betriebe mit einer Kulturfläche kleiner als 30 ha deutlich zurückgingen, stieg die Anzahl jener, die Flächen zwischen 50 und 200 ha bewirtschaften. "Die österreichische Landwirtschaft ist nach wie vor - verglichen mit anderen EU-Ländern - klein strukturiert. Das macht unsere Besonderheit aus. Allerdings gibt es auch bei uns einen moderaten Strukturwandel. Es ist uns aber seit dem EU-Beitritt gelungen, den Rückgang der Betriebe zu verlangsamen. Um diesen Trend nicht wieder zu beschleunigen, brauchen wir eine starke gemeinsame Agrarpolitik mit der entsprechenden finanziellen Ausstattung ", so Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich.
Eine Konzentrationstendenz zeichnet sich auch bei viehhaltenden Betrieben ab. So nahm der durchschnittliche Viehbestand je Betrieb in den Jahren 1999 bis 2010 vor allem im Schweinesektor zu, die Anzahl der viehhaltenden Betriebe war jedoch rückläufig. Deutliche Verschiebungen ergaben sich für den Bereich Nebentätigkeiten. Rückgänge um 36% beim Tourismus stehen deutlichen Zuwächsen bei der Erzeugung erneuerbarer Energien gegenüber. Insgesamt gibt es in Österreich 14% Biobetriebe mit einem auffallend hohen Anteil von 40% in Salzburg, gefolgt von Tirol (19%) sowie Ober- und Niederösterreich mit jeweils 13%.
Trend zu größeren Betrieben Die österreichische Landwirtschaft ist nach wie vor auch im EU-Vergleich klein strukturiert. Dennoch hält der Trend zu größeren Betriebseinheiten ungebrochen an: Wurde 1995 von einem Betrieb im Durchschnitt eine Gesamtfläche (landwirtschaftliche Nutzfläche, Forst und unproduktive Flächen) von 31,5 ha bewirtschaftet, so waren es 2010 bereits 42,4 ha. Ähnlich verlief die Entwicklung bei der landwirtschaftlich genutzten Fläche, wo eine Steigerung von 15,3 ha auf 18,8 ha festgestellt werden konnte. Obwohl die Gesamtfläche pro Betrieb seit 1951 kontinuierlich zunimmt, stagniert die landwirtschaftliche Nutzfläche pro Betrieb seit Beginn der 2000er-Jahre bei rund 18 ha. Im EU-Vergleich liegt Österreich mit 19,5 ha durchschnittlicher landwirtschaftlicher Nutzfläche je Betrieb etwas über dem EU-27-Schnitt von 14,1 ha. An der Spitze rangiert Tschechien mit 152,4 ha, gefolgt von Großbritannien, Dänemark Luxemburg und Deutschland (55,8 ha).
Betrachtet man die Kulturfläche gegliedert nach Größenklassen, zeigt sich, dass 124.797 Betriebe (72,0%) weniger als 30 ha bewirtschafteten. Bei lediglich 7.617 (4,4%) konnte eine Fläche von mehr als 100 ha ermittelt werden. Die stärkste Zunahme von Betrieben verzeichneten die Klassen von 50 bis unter 100 ha mit 38% (1995: 11.716; 2010: 16.118) beziehungsweise von 100 bis unter 200 ha mit 39% (1995: 3.668; 2010: 5.108). Hingegen wurde in der Klasse von unter 5 ha der stärkste Rückgang (-47%) festgestellt. Nach politischen Bezirken betrachtet, reduzierte sich die Anzahl der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe in den östlichen Bundesländern Burgenland, Wien, und Niederösterreich am stärksten.
Haupterwerb nimmt zu In Relation zur Gesamtanzahl wurden 2010 mehr Betriebe im Haupterwerb geführt. Lag der Anteil im Jahr 1995 bei 34%, wurden 2010 von den 173.317 Betrieben 39% im Haupterwerb bewirtschaftet. Der Nebenerwerbs-Anteil (gesamte Arbeitszeit des Betriebsinhaberehepaars über beziehungsweise unter 50%) sank von 63% in 1995 auf 54% im Jahr 2010. Bei den restlichen 3% (1995) beziehungsweise 7% (2010) handelte es sich um Personengemeinschaften beziehungsweise Betriebe juristischer Personen.
Bio hat an Attraktivität nicht verloren Die Zahl der Biobetriebe hat sich im Zeitraum 2007 bis 2010 von 19.500 auf 21.180 Bewirtschafter (13,8%) erhöht. Im Durschnitt bewirtschaftete ein heimischer Biobetrieb 21 ha landwirtschaftliche Nutzfläche. Die meisten der nach biologisch anerkannten Kriterien geführten Landwirtschaften liegen in Niederösterreich, gefolgt von Oberösterreich und Salzburg. Diese drei Bundesländer liegen auch im Spitzenfeld, wenn es um den Anteil von Biobetrieben gemessen an der landwirtschaftlichen Nutzfläche geht. Räumlich betrachtet herrscht die biologische Wirtschaftsweise besonders im Norden von Nieder- und Oberösterreich vor.
Die Produktionsschwerpunkte liegen in Österreich, verglichen mit dem Jahr 2007, nach wie vor im Futterbau (37% oder 64.102 Betriebe), in der Forstwirtschaft (27% oder 46.564) und im Marktfurchtbau (12% oder 21.390). Der Anteil von Dauerkultur- und landwirtschaftlichen Gemischtbetrieben lag bei jeweils 8%. Die Betriebsformen Veredelung (5%), Agrargemeinschaften (2%) und Gartenbau (1%) nehmen eine eher untergeordnete Rolle ein.
Für die 172.650 Betriebe mit Flächenbewirtschaftung (667 davon waren ohne Fläche) wurde eine Gesamtfläche von 7.347.535 ha ermittelt. 46,4% entfielen auf forstwirtschaftlich genutzte Flächen, 19,6% auf Dauergrünland und 18,7% auf Ackerland. Während Tirol das Bundesland mit dem höchsten Anteil an Dauergrünland ist, bildet in Niederösterreich und der Steiermark die Forstwirtschaft einen Schwerpunkt.
Tierhaltende Betriebe werden größer Im Jahr 2010 hielten 109.118 Betriebe (63,0%) Nutztiere. Auch in diesem Bereich ist der Konzentrationstrend gegeben. Demnach sinkt zwar die Anzahl viehhaltendender Betriebe, der durchschnittliche Viehbestand aber wächst. Bemerkenswert ist der Anstieg gehaltener Schweine je Betrieb von 35 auf 85 Tiere, bei Schafen von 18 auf 27 und bei den Ziegen von 4 auf 8 Tiere. Insgesamt wurden 2010 in Österreich 3 Mio. Schweine gehalten, wovon Oberösterreich mit 1,2 Mio. an der Spitze liegt. Die Schafproduktion hatte in Tirol und Niederösterreich mit jeweils rund 80.000 Stück den größten Anteil. Heimische Rinderbauern hielten im Jahr 2010 im Durchschnitt 28 Rinder, während 1995 die durchschnittliche Herdengröße noch bei 20 Tieren lag. Im Bundesländervergleich dominiert die Rinderproduktion in Oberösterreich (30%), gefolgt von Niederösterreich (22%) und der Steiermark (17%).
Betriebe überwiegend mit familieneigenen Arbeitskräften geführt Insgesamt waren 420.805 Personen (-29,0% gegenüber 1995) in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt, darunter 349.593 oder 83,1% familieneigene Arbeitskräfte. Bei den familienfremden Beschäftigten wurden sowohl ständig als auch fallweise angestellte Personen berücksichtigt. Ein Drittel der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe wurde von Frauen geleitet; 1995 lag der Anteil lediglich bei 27%. Nur 10% der Betriebsleiter war jünger als 35 Jahre.
Verschiebung bei Nebentätigkeiten 37,2% der Betriebe erwirtschafteten ein zusätzliches Einkommen aus Nebentätigkeiten wie Urlaub am Bauernhof, Verarbeitung und Verkauf landwirtschaftlicher Produkte, etc. Davon meinen 17%, ihren wirtschaftlichen Erfolg verbessern zu können. Während die Verarbeitung und der Verkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse (1999: 15.413 Betriebe; 2010:10.549) sowie Fremdenverkehrsaktivitäten (1999:13.236; 2010:10.293) an Attraktivität verlor, hat die Erzeugung und Vermarktung von erneuerbarer Energie (1999: 926; 2010: 6.411) deutlich an Bedeutung gewonnen. Hier herrscht die Energiegewinnung aus Biomasse mit 4.622 Anlagen in 2010 vor, gefolgt von 2.245 "Sonnenkraft-Einrichtungen ". Auch vertragliche Arbeiten, wie zum Beispiel diverse Maschinenleistungen, sind deutlich angestiegen. Waren es 1999 noch 4.330 Betriebe die einer solchen Tätigkeit nachgingen, belief sich die Anzahl 2010 auf 7.007.
70% der Betriebe beanspruchten Fördermaßnahmen 70% aller Betriebe nehmen Fördermaßnahmen in Anspruch. Mehr als ein Drittel hat eine Fördermaßnahme beantragt, ein Drittel schöpft zwei oder mehrere Beihilfen aus und rund ein Drittel nimmt keine finanzielle Unterstützung dieser Art in Anspruch. Die meisten Betriebe (117.859) haben Anträge für Zahlungen für Agrarumweltmaßnahmen gestellt. 37.990 beanspruchen Beihilfen für Tierschutzmaßnahmen, 22.407 für die Modernisierung landwirtschaftlicher Betriebe und 22.003 für die Teilnahme an Lebensmittelqualitäts-Regelungen.
Gemäß EU-VO (EG) Nr. 1166/2008 sowie nationaler VO BGBl. II Nr. 122/2010 musste eine Agrarstrukturerhebung mit Stichtag 31.10.2010 als Vollerhebung durchgeführt werden. Die Erhebung wurde ausschließlich über einen personalisierten elektronischen Fragebogen abgewickelt. Auskunftspflichtig waren all jene Betriebe mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von mindestens 1 ha, einer forstwirtschaftlichen Nutzfläche von mindestens 3 ha oder einer bestimmten Anzahl von Tieren wie zum Beispiel drei Rinder oder fünf Schweine.
Quelle: aiz





















